Samstag, 28. Juni 2008

Vernunftbegabt

So’n Lobbyist
ist angepisst
denn er sitzt zwischen Stühlen.

Vertritt er zwei
ist’s einerlei
wie sehr er sich auch mühe.

Verschoben hier
Gelogen dort
beim Businesslunch für Kühe.

Verband entlohnt
Gesetz entthront
der Lüge bittre Pille.

Egal woher
Chemie, Verkehr
trägt Scheuklappen statt Brille.

Ein Ziel erreicht
Zwanzig zerstört
Nur kurzsichtiger Wille.

Holistik lacht
Das Klima tobt
Ignoranz wird nie belohnt.

Skinner: Walden Two (Futurum Zwei) und der 4-Stunden-Arbeitstag

Walden Two von SkinnerDies ist keine Rezension. Aber nachdem ich gerade Skinners Roman "Futurum Zwei [Walden Two] - Die Vision einer aggressionsfreien Gesellschaft" gelesen habe bin ich etwas aufgewühlt und überrascht. Zunächst darüber, dass das Buch bereits 1948 erschien. Aber ganz besonders darüber, wie wenige der dort bereits angedachten Innovationen heute unsere Arbeitswelt bereichern.

In Futurum Zwei arbeitet jedes Mitglied der Gemeinschaft an 4 Stunden des Tages für Werkguthaben. Richtig, nur 4 Stunden. Das heisst die Mitglieder gehen zur Arbeitsverteilung und suchen sich eine Tätigkeit aus, die ihren Fähigkeiten und Wünschen, aber auch ihrer Tagesstimmung entspricht. Wie z.B. die Besucher, die im Roman für 10 Werkguthaben Fenster putzen (Bewertung 1,2 - leichte Tätigkeit, keine besondere Erfahrung vorausgesetzt), um sich für die Gastfreundschaft erkenntlich zu zeigen und gleichzeitig am Experiment Futurum Zwei auch persönlich teilzunehmen. Als Gegenleistung für dieses erarbeitete Werkguthaben nutzen alle Mitglieder die Gefälligkeiten des Gemeinwesens: Kost und Logis, ärztliche Behandlung, Weiterbildungsmöglichkeiten, verschiedene Freizeitaktivitäten aus Sport, Kultur und Kunst. Und trotz all der Aktivität mangelt es nicht an Muße, Entspannung und innerer Einkehr.

Arbeit, das heissst in Futurum Zwei für alle, auch für Planer und Manager, ein gewisses Maß an körperlichen Tätigkeiten und ich schreie laut 'Hurraa!' wenn ich so etwas lese. Denn das hat doch durchaus mehr Sinn, als wenn wir heute bei einer Wochenarbeitszeit von 50 oder mehr Stunden unsere gesunde Dosis an körperlicher Bewegung in Fitness-Centern zukaufen müssen. An der Stelle fiel mir auch wieder eines meines liebsten Zitate von Henry David Thoreau ein, das ich hier unbedingt unterbringen muss, weil es sich aus heutiger Sicht so schön bissig ausnimmt:

"Ich bin der Ansicht, mein körperliches und geistiges Wohlbefinden allein deshalb zu erhalten, weil ich jeden Tag wenigstens vier, üblicherweise aber sogar mehr Stunden damit zubringe, in völliger Freiheit von jedweden Anforderungen der Welt durch den Wald sowie über Hügel und Felder zu streifen. Sicher wird man mich nun fragen, woran ich hierbei denke. Manchmal denke ich daran, dass die Handwerker und Krämer sich nicht allein des Vormittags, sondern auch während der Nachmittage in ihren Werkstätten und Läden befinden, davon viele zudem noch mit übereinandergeschlagenen Beinen – gerade so, als wären Beine nicht zum Stehen und Laufen, sondern zum Sitzen erschaffen worden –, und dann denke ich, man müsse diesen Leuten eine Art von Anerkennung zubilligen, weil sie ihrem Leben nicht schon vor langer Zeit ein Ende gesetzt haben."
[Henry David Thoreau, 1817 - 1862]

Ich will einräumen, dass mir nicht alles an Futurum Zwei geheuer ist. Wieso Dankbarkeit abgelehnt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Auch Fraziers Abneigung gegen die Anerkennung von persönlichen, herausragenden Leistungen riecht heute überholt. Ich kann nicht finden, dass in der Anerkennung von Leistung bei einer Person auch implizit die Herabsetzung einer anderen Person enthalten wäre. Aber sei's drum.

Einige der dort dargestellten Lösungsansätze wären durchaus geeignet, uns bei aktuellen Problemen zu helfen. Es ist doch kaum einzusehen, dass heute ein Teil der Bevölkerung unfreiwillig 40, 50, 60 oder gar noch mehr Wochenstunden arbeitet und dabei starkem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt ist, während ein anderer Teil unserer Bevölkerung unfreiwillig ohne entlohnte Tätigkeit lebt und dabei starkem sozialen und wirtschaftlichen Druck ausgesetzt ist. Da gibt es doch sicherlich intelligentere Lösungen, die nicht an simplen Verteilungsfragen hängen bleiben oder auf Gleichmacherei setzen. Ich für meinen Teil kann mir einen 4-Stunden-Arbeitstag mit freier Wahl der Tätigkeit sehr wohl vorstellen. Und das nicht etwa, weil ich besonders faul wäre. Sondern vielleicht eher, weil ich mir erlaube die Welt auch einmal ganz anders zu sehen, als sie heute noch ist.

Wiener Appell - Demokratisierung der EU

Im Nachgang zu meinem letzten Artikel hier bin ich auf den Wiener Appellaufmerksam geworden. Ziel der Initiative ist es, die EU-Bürgerschaft zu mobilisieren und möglichst viele Willensbekundungenvon EU-Bürgern zu sammeln, um sich damit in Brüssel für eine Demokratisierung der Europäischen Union einsetzen zu können.

Nun ist der Zweck meines Blogs nicht, für politische Initiativen zu werben - zumal ich persönlich die Politik nicht als meine bevorzugte Handlungsebene ansehe. Politisch sitze ich da zwischen einigen Stühlen und halte es noch am ehesten mit Götz Werner, der einmal sinngemäß in Hannover sagte, wir sollten nicht von den Politikern die zukunftsweisenden und nachhaltigen Antworten auf die Herausforderungen unserer Tage erwarten, sondern uns unser eigenes Bild machen und dann unseren Volksvertretern mitteilen, wie wir uns unsere Gesellschaft vorstellen, damit sie es entsprechend umsetzen können.

Ich bin also sehr dafür, die Menschen selbst zu fragen was sie wollen. Auch wenn es um die zukünftige Gestaltung Europas geht. Und deswegen auch hier der Hinweis auf den Wiener Appell - allerdings verknüpft mit der Bitte, wirklich gründlich die Texte zu lesen bevor ihr etwa die Willenserklärung unterschreibt.

Dienstag, 10. Juni 2008

Nun auch im ZDF?

Nachdem ich gerade die Berichterstattung zum EU-Referendum im heute journal gesehen habe, bin ich enttäuscht. Schon in der Anmoderation klang an, dass ein irländisches "Nein" zum EU-Reformvertrag auf Unverständnis stoßen würde. Dadurch aufmerksam geworden schaute ich den ganzen Beitrag und wartete dabei lange auf die Darstellung der Vertragskritiker. Diese war dann allerdings kurz und wenig objektiv. Von einigen "linken" und "nationalistischen" Gruppierungen war die Rede, die mit ihren Parolen "an das Bauchgefühl" der Wähler appellierten und Angst vor "den Bürokraten in Brüssel" schürten. Einer der wesentlichen Kritikpunkte am EU-Vertrag ging dabei beinahe unter, nämlich dass er leider aufgrund der nationalen Wahlsysteme, welche eine Volksbefragung noch nicht vorsehen, nicht von der Mehrheit des europäischen Volkes legitimiert werden kann.

Stattdessen wurde ein entscheidendes Argument für den Reformvertrag gleich mehrfach wiederholt: die finanziellen Vorteile, die sich gerade für kleine Länder wie Irland durch die EU-Mitgliedschaft ergeben. Unnötig häufig kam zum Ausdruck, dass jeder einzelne Europäer ein "Nein" zum EU-Reformvertrag im eigenen Geldbeutel spüren und Irland durch seine ablehnende Haltung eine bedenkliche Botschaft an Investoren senden würde.

Leider habe ich keinen Mitschnitt von der Sendung und konnte mir nicht schnell genug den genauen Wortlaut notieren. Aber sicherlich haben außer mir viele andere Menschen diesen Bericht gesehen. Bin ich die einzige, die in der Auswahl der O-Töne und den Aussagen der kommentierenden Stimmen einen Mangel an Objektivität wahrgenommen hat? Ist es inzwischen tatsächlich so, dass selbst im ZDF wirtschaftliche Interessen mehr gelten, als jene kritischen Stimmen, die völlig zu Recht darauf hinweisen, derart weit reichende Entscheidungen sollten von allen EU-Bürgern durch direkte Abstimmung getroffen werden?

Donnerstag, 5. Juni 2008

Blogger vs. Wordpress

Ich denke inzwischen manchmal es war ein Fehler, mit diesem Blog zu Blogger zu gehen. Vermutlich werde ich demnächst zu Wordpress wechseln. Bei Blogger erscheinen mir grundlegende Funktionalitäten (wie z.B. einen Artikel mit Bildern einstellen und nach eigenem Ermessen layouten) unnötig schwierig. Ein Beispiel: um ein Bild genau da zu positionieren, wo ich es innerhalb des Textes hin haben möchte, braucht es die folgenden Schritte:

  1. Bild hochladen
  2. In HTML Bearbeitungsmodus gehen
  3. Code für Bild markieren (erscheint immer ganz oben im Text)
  4. Markierten Code an gewünschter Stelle im Text einfügen

Bin ich die Einzige, der das ein wenig umständlich erscheint?

Außerdem gibt es immer häufiger Probleme mit dem Veröffentlichen. Statt einer informativen Fehlermeldung gibt es dann diese furchtbare Mitteilung:

"Ihre Veröffentlichung dauert länger als erwartet. Klicken Sie hier, wenn Sie weiter auf die Fertigstellung warten möchten."

Man ist also quasi gezwungen am Bildschirm sitzen zu bleiben und endlos "Klicken Sie hier' anzuklicken. Manchmal liegt es einfach an Blogger aber manchmal war tatsächlich ein Fehler im Code - aber das erfährt man mitunter erst Stunden später. Und im Hilfe-Bereich gibt es hierzu mal wieder gar keine Informationen.

Bin gerade echt genervt. Mal sehen ob Blogger mir erlaubt diesen Artikel zu veröffentlichen, bevor mein Ärger verflogen ist ;-)

The story of stuff - All unser Krempel

Einer meiner liebsten Kurzfilme ist 'The story of stuff' von Annie Leonard. Das liegt zunächst am Thema, denn es geht um unseren aktuellen Wirtschafts- und Konsumkreislauf und warum er mittlerweile an seine Grenzen stößt und verändert werden muss. Außerdem geht es darum, daß er in vielen Punkten wahnwitzig unlogisch ist und den Menschen, ebenso wie der Erde, Schaden zufügt.

Aber abgesehen vom Thema liebe ich den Erzählstil von Annie Leonard. Er ist locker, persönlich, emotional und anschaulich - nicht zuletzt durch die wunderbar animierten Strichzeichnungen, die einen abwechselnd erheitern und traurig machen. Man kann nämlich sehr wohl so komplexe Zusammenhänge wie unseren Konsumkreislauf verständlich, bildhaft und mit Humor darstellen.

Wir müssen nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben um zu erkennen, daß einiges am aktuellen System schlicht unsinnig ist. Wir müssen auch keine Biologen oder Klimaforscher sein um zu verstehen, daß unser bisheriges Verhalten unsere Lebensgrundlagen auf diesem Planeten zerstört. Falls Sie sich also immer schon mal gefragt haben, wo all unser Krempel herkommt und wo er hingeht, wenn wir ihn nicht mehr brauchen, sollten Sie diesen Film ansehen. Er dauert ungefähr 20 Minuten und ist zur Zeit nur auf Englisch verfügbar. Es gibt allerdings auf

http://www.utopia.de/wissen/bildungsluecken/

auch eine kurze Zusammenfassung mit 10 Tipps für Ihren Alltag auf Deutsch. Falls jemand eine synchronisierte Fassung des Films (ohne Untertitel) auf Deutsch herstellen möchte - ich bin sofort dabei! Aber vielleicht gibt es sie ja auch schon und ich habe sie nur noch nicht gefunden?

Hier der Film:

Sonntag, 1. Juni 2008

Utopien von gestern

Gestern habe ich „I, Robot“ von Alex Proyas gesehen und bin etwas irritiert. Der Film ist aus dem Jahre 2004 und spielt im Jahre 2035. Aus heutiger Sicht (2008) also 27 Jahre in der Zukunft. Natürlich darf davon ausgegangen werden, dass die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ungebremst weiter voran schreitet. Ich hätte nichts anderes erwartet und so sind im Jahre 2035 die Unterhaltungsgeräte realistischerweise sprachgesteuert und der Individualverkehr wurde in unterirdische Autobahntunnel verlagert, wo er viel schneller fließen kann und aufgrund der eingesetzten Autopiloten auch gar nicht mehr so individuell ist. Ebenso einleuchtend wird dem Filmzuschauer sein, dass der Gebäudekomplex der U.S. Robotics Corporation durch den Supercomputer V.I.K.I. gesteuert und gesichert wird und das diese V.I.K.I. über ein positronisches Gehirn verfügt. Natürlich gibt es auch Hologramme, Naniten und Roboter mit Träumen und Emotionen. Science Fiction halt. Nicht weiter aufregend.

Umso aufregender, dass sich im Bewusstsein der Menschen wieder einmal nichts getan hat. Reduziert auf die zwischenmenschliche Interaktion der Protagonisten Spooner und Calvin hätte das Filmchen auch gut 1984 spielen können. Die Psychologin Dr. Calvin kommt als verkopfte Rationalistin daher und scheint emanzipatorisch knietief in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Etwa in der Zeit, als man tatsächlich noch glaubte, eine Frau müsse für den beruflichen Erfolg noch emotionsloser und härter werden als ein Mann. Detective Spooner verkörpert in gleicher Manier den obsessiv-cholerischen Cop à la Stingray, Starsky oder Hutch, den wir aus vielen U.S. amerikanischen Filmen schon so gut kennen. Er ist geschieden, macht zynische Bemerkungen über seine Ex-Frau und geht im Zweifel lieber zum Dienst um mit der Waffe herumzuballern, als seine emotionalen Probleme zu lösen.

Nun bin ich ein verständiger Mensch und kann ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass Hollywood-Filme mit Stereotypen spielen und mit ermüdender Regelmäßigkeit Klischees recyceln. Schließlich wollen sie ihre Produktionskosten wieder einspielen und brauchen dafür ein großes Publikum. Doch ich hoffe sehr, dass sich die Menschheit in den nächsten 27 Jahren nicht nur technologisch, sondern auch geistig, sozial und emotional weiterentwickelt. In meiner ganz persönlichen Zukunftsvision nämlich spielen Emanzipationsfragen überhaupt keine Rolle mehr und psychisch labile Männer tun nicht weiterhin Dienst an der Waffe. Der bereits heute spürbare Wertewandel in der Arbeitswelt kann hoffentlich bald dazu beitragen, dass das menschliche Wohlbefinden höher bewertet wird, als Produktivität und Profit. Wieso nur findet dergleichen Social Fiction so selten den Weg ins Hollywood-Kino?