Es fängt schon damit an, dass die Norwegische NSB (www.nsb.no) ihre Fahrgäste nicht mit überflüssigen, absolut unverständlichen und nervigen Sprachdurchsagen belästigt. Die nächste Haltestelle (mehrfach), die aktuelle Verspätung und ihre Gründe, Informationen zu Anschlusszügen und Detailinformationen zum Angebot im Speisewagen – all das muss man in deutschen Zügen wieder und wieder über sich ergehen lassen. Eine minutenlange Litanei irrelevanter Informationen, leiernd und lieblos in minderer Tonqualität vorgetragen von einem Bahnmitarbeiter, der dabei balancierend im Gang eines schlingernden Zuges steht, das Mikro in der einen, den Fahrplan in der anderen Hand. Wetten, dass er Wichtigeres zu tun hätte, als die Reisenden auf diese Weise vom Lesen abzuhalten? Insbesondere die englische Variante („Sänk ju vor träwelling wiz…“) könnte man sich sparen. Sie ist selbst mir unverständlich und ich habe mir von englischen und anderweitigen Muttersprachlern mit ebenfalls perfekten Englischkenntnissen versichern lassen, da sei ich nicht die Einzige.
Wie einfach sich das Problem lösen ließe, macht die NSB vor. Wenige Minuten bevor der Zug einfährt, erklingt eine kurze und knappe Bandansage, jeweils auf Norwegisch und auf Englisch:
„Wir fahren in ca. 5 – 6 Minuten in Bahnhof XYZ ein“
Etwas später ein zweiter und allerletzter Hinweis, erneut auf Norwegisch und Englisch:
„Wir fahren jetzt in Bahnhof XYZ ein“
Falls es weitere wichtige Informationen gibt, etwa zur Dauer des Aufenthaltes, so erfolgt die Ansage nur auf Norwegisch durch den Zugbegleiter. Das reicht völlig und stört nicht beim Lesen oder Schlafen.
Und falls das alles noch kein Hinweis darauf ist, dass eine Staatsbahn handfeste Vorteile für die Bürger bietet, so sei zum Schluss noch auf die Familienabteile hingewiesen: die NSB bietet Familien mit Kindern separate Waggons, in denen die Kleinen auch mal herumlaufen und kreischen dürfen, ohne Geschäftsreisende zu stören. Hier gibt es nicht nur Wickeltische, sondern auch mehr Stauraum für Kinderwagen und Windeltaschen und sogar eine geschlossene Spielecke, wo Kinder richtig herumtollen und springen können (natürlich mit Luftpolstern bzw. gummiert).
Alles in allem können wir von unseren skandinavischen Nachbarn noch eine ganze Menge lernen, so scheint mir. Da nun der drohende Börsengang der deutschen Bahn abgewendet scheint besteht ja vielleicht eine kleine Chance, dass wir unsere Bahn zukünftig wieder zu einem modernen, bürgerorientierten Service- und Transportbetrieb machen. Ich kann nicht erkennen, dass die Jahre der privatwirtschaftlichen Führung und Gewinnmaximierung den Mitarbeitern und Bürgern etwas gebracht hätten.
Auch in der Schweiz ist die Bahn in Bürgerhand ("Bürgerbahn"). Service, Taktung und flächendeckende Anbindung an weitere Verkehrssysteme sind die Markenzeichen einer von Bürgern (in Abstimmungen) gewollten Öffentlichen Nah- und Güterverkehrs.
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Was soll ich sagen? Ich bin von der DB und ihren ICE-Zügen begeistert. Liegt vielleicht daran, dass ich aus Ösi-Land komme und da gehen die Bahn-Uhren auch ein bisserl anders. Andererseits muss man froh sein, dass überhaupt noch Geld für die Bahn ausgegeben wird und nicht alles dem Autoverkehr geopfert wird.
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