Montag, 25. Mai 2009

DB vs. NSB – Norway 12 points

Bis vor kurzem dachte ich, die deutsche Bahn sei recht modern und komfortabel. Klar, sie kommt immer dann zu spät, wenn man es eilig hat (Murphy’s Law) und das Preissystem ist kryptisch. Aber prinzipiell ist unsere Bahn nicht schlecht. Dachte ich. Bis ich neulich erstmals mit der Norwegischen Bahn gefahren bin. Was für ein Unterschied! Ich werde nachgerade rot im Gesicht, so sehr schäme ich mich für unser veraltetes Bahnkonzept und seine Dienstleistungsdefizite. Man mag sich kaum vorstellen was ein Norweger wohl denken wird, wenn er Deutschland besucht und hier Bahn fährt.

Es fängt schon damit an, dass die Norwegische NSB (www.nsb.no) ihre Fahrgäste nicht mit überflüssigen, absolut unverständlichen und nervigen Sprachdurchsagen belästigt. Die nächste Haltestelle (mehrfach), die aktuelle Verspätung und ihre Gründe, Informationen zu Anschlusszügen und Detailinformationen zum Angebot im Speisewagen – all das muss man in deutschen Zügen wieder und wieder über sich ergehen lassen. Eine minutenlange Litanei irrelevanter Informationen, leiernd und lieblos in minderer Tonqualität vorgetragen von einem Bahnmitarbeiter, der dabei balancierend im Gang eines schlingernden Zuges steht, das Mikro in der einen, den Fahrplan in der anderen Hand. Wetten, dass er Wichtigeres zu tun hätte, als die Reisenden auf diese Weise vom Lesen abzuhalten? Insbesondere die englische Variante („Sänk ju vor träwelling wiz…“) könnte man sich sparen. Sie ist selbst mir unverständlich und ich habe mir von englischen und anderweitigen Muttersprachlern mit ebenfalls perfekten Englischkenntnissen versichern lassen, da sei ich nicht die Einzige.

Wie einfach sich das Problem lösen ließe, macht die NSB vor. Wenige Minuten bevor der Zug einfährt, erklingt eine kurze und knappe Bandansage, jeweils auf Norwegisch und auf Englisch:

„Wir fahren in ca. 5 – 6 Minuten in Bahnhof XYZ ein“

Etwas später ein zweiter und allerletzter Hinweis, erneut auf Norwegisch und Englisch:

„Wir fahren jetzt in Bahnhof XYZ ein“

Falls es weitere wichtige Informationen gibt, etwa zur Dauer des Aufenthaltes, so erfolgt die Ansage nur auf Norwegisch durch den Zugbegleiter. Das reicht völlig und stört nicht beim Lesen oder Schlafen.

Überhaupt, das Schlafen! In der NSB geht das wenigstens, denn man hat selbst in der 2. Klasse ausreichend Beinfreiheit und Platz. Die norwegischen Züge sind zudem sauberer, geräumiger und wirken komfortabler, als alle deutschen Züge, die ich kenne. Warmgetränke gibt es kostenlos aus dem Automaten, so viel man mag. Steckdosen gibt es an jedem Platz. Die Toiletten sind sauberer. Im Menü-Wagen gibt es eine große Auswahl an Snacks, Getränken und warmen Mahlzeiten zu erschwinglichen Preisen und die Fahrpreise selbst sind auch wesentlich günstiger, als hier in Deutschland.

Und falls das alles noch kein Hinweis darauf ist, dass eine Staatsbahn handfeste Vorteile für die Bürger bietet, so sei zum Schluss noch auf die Familienabteile hingewiesen: die NSB bietet Familien mit Kindern separate Waggons, in denen die Kleinen auch mal herumlaufen und kreischen dürfen, ohne Geschäftsreisende zu stören. Hier gibt es nicht nur Wickeltische, sondern auch mehr Stauraum für Kinderwagen und Windeltaschen und sogar eine geschlossene Spielecke, wo Kinder richtig herumtollen und springen können (natürlich mit Luftpolstern bzw. gummiert).

Alles in allem können wir von unseren skandinavischen Nachbarn noch eine ganze Menge lernen, so scheint mir. Da nun der drohende Börsengang der deutschen Bahn abgewendet scheint besteht ja vielleicht eine kleine Chance, dass wir unsere Bahn zukünftig wieder zu einem modernen, bürgerorientierten Service- und Transportbetrieb machen. Ich kann nicht erkennen, dass die Jahre der privatwirtschaftlichen Führung und Gewinnmaximierung den Mitarbeitern und Bürgern etwas gebracht hätten.

Kontaminierte Kissen

Wer kennt sie nicht, die klassische Luftmatratze mit dem Stoffbezug in blau-rot? Wie lange gibt’s die eigentlich schon? Ich hab jedenfalls schon als Kind am Baggersee lieber auf so einer gelegen, als auf den Plastikdingern mit den scharfen Kanten. Als ich vor ein paar Wochen nach einem aufblasbaren Kissen für den Norwegenurlaub suchte, machte dann auch die blau-rote Version das Rennen. Nostalgie, denkt ihr vielleicht, und habt womöglich Recht. Zumal es ja inzwischen noch viel weichere Kissen gibt. Trotzdem, gekauft, losgefahren, in Norwegen ausgepackt und…irritiert den kleinen Beipackzettel gelesen.

Dort stand tatsächlich, man solle das Kissen bitte keinesfalls mit dem Mund aufblasen (!). Auch mit einer Ballpumpe ginge das nicht, war zu lesen. Fazit des Herstellers: man müsse schon eine extra Luftmatratzenpumpe der gleichen Marke dazu kaufen.

Nun bin ich bekannt dafür, dass ich mich an dergleichen Anweisungen gehorsam halte. Ja, ich lese auch die Beipackzettel von Arzneimitteln immer bevor ich sie einnehme – was mitunter schon dazu geführt hat, dass ich das ärztlich verordnete Medikament am Ende gar nicht genommen habe, weil ich nicht einsehen wollte, dass meine real-existierenden und medikamentös zu bekämpfenden Beschwerden gleichzeitig als mögliche Nebenwirkungen genannt werden. Aber das nur am Rande.

Ich bin schon deswegen vorsichtig bei solchen Herstellerangaben, weil sich ja inzwischen herum gesprochen hat, dass Hersteller aus unerfindlichen Gründen regelmäßig gesundheitsschädliches oder gar toxisches Zeugs in ihre Produkte tun, um irgendeinen hanebüchenen Zweck zu erreichen. Man denke nur an das Brandschutzmittel in Kopfkissen und schon ist man erleichtert, dass man im Falle eines Brandes so gut gebettet ist. Für diese Sicherheit nimmt doch wohl jeder gern das Risiko giftiger Dämpfe in der kurzen Zeitspanne vor dem Brandereignis auf sich.

Solchermaßen informiert hätte ich also wirklich gern den wohlmeinenden Anweisungen des Herstellers Folge geleistet. Nun war ich aber bereits am Urlaubsort, einer einsamen Fjordhütte im Nirgendwo, angekommen. Ich wollte das Kissen sofort benutzen. Was blieb mir anderes übrig als wie ein echter Outdoor-Rebell das Kissen doch mit dem Mund aufzublasen und eventuellen Nebenwirkungen (Lippenherpes? Zahnfäule? Asthma?) wagemutig die Stirn zu bieten. Passiert ist glücklicherweise nichts, sowohl das Kissen, als auch ich sind unbeschadet aus dem Abenteuer hervorgegangen. Ich frage mich allerdings heute noch, ob es tatsächlich ernste Gründe für diese seltsame Herstellerangabe gibt – oder ob dahinter nicht der schnöde Wunsch steht, zusätzlich zum Kissen Umsätze über den Verkauf der Pumpe zu generieren. Wie auch immer: notwendig ist die Pumpe ganz gewiss nicht, denn das Kissen ist innerhalb von Sekunden mit nur zwei Atemzügen aufgeblasen.