Samstag, 3. Juli 2010

Laue, lange Mittelnacht

Als Lichtquelle: der Fernseher. Als Wärmequelle: die unerbittliche Hitze des sich verabschiedenden Tages. Als Luftquelle: Balkontüren und Fenster, weit geöffnet, sowie der Ventilator, surrend. Als Unterhaltungsquelle: der Mann, das Glas Wein und das 3sat Nachtprogramm. Das sind die Zutaten für einen entspannten Einstieg ins Sommerwochenende, zumal wenn zwei Filme aus der Rubrik „Noch nie gesehen, aber möglicherweise interessant“ auf dem Programm stehen.

Was dann folgte, war die wohl schalste Unterhaltung seit Australia, falls man es denn überhaupt Unterhaltung nennen möchte. Rückblickend wäre es fast passender, von Nervung oder Langweilung zu sprechen. Statt netter Berieselung gab es mit Studio 54 und Beautiful Girls einfach nur grottig schlechtes US-Kino der Klischeeklasse.

Dabei hätte "Studio 54" (1998, von Marc Christopher, mit Ryan Phillippe, Salma Hayek, Neve Campbell und Mark Myers) es so leicht gehabt. Eine nostalgische Hommage an den New Yorker Kultclub der späten 70er, das hätte ein verdammter filmischer Selbstläufer sein müssen. Leider funktioniert der Film nicht einmal dort, wo er sich auf die Musik und das Lebensgefühl im Studio 54 beschränkt. Der Funke springt nicht so recht über. Außerdem schien irgendwer gedacht zu haben, das Ganze bräuchte einen Spannungsbogen. Leute, lasst das sein. Erzählt doch eine simpel gestrickte, eindimensionale Geschichte ohne diese misslichen Versuche, Tiefe reinzufrickeln. Das laue Konfliktchen zwischen Shane und seinem Dad, das noch lauere Konfliktchen zwischen Shane und seinem Kumpel, und das oberlaueste Konfliktchen zwischen Shane und seiner Beinahe-Freundin (einer völlig farblosen Neve Campbell, die bei mir den Eindruck erweckte, sie spiele sich im Grunde selbst). Das ist alles ziemlich halbherzig erzählt und arbeitet mit derart unmotivierten Stimmungswechseln, dass man den Schauspielern nur wenige Emotionen abnimmt. Schnell wird der vermeintliche Spannungsbogen zum Frustbogen.

Kurzweilig war es trotzdem. Salma Hayek ist wie immer nett anzuschauen. Ryan Phillippe hat bei mir schon deshalb gute Karten, weil er jemandem aus meiner Vergangenheit ähnelt. Entsprechend positiv voreingenommen und milde gestimmt verfolgte ich das Filmchen. Am Ende wird aber wohl doch die einzige bleibende Erinnerung die Szene sein, in der Ryan Philippe sein Hemd auszieht, um am Türsteher vorbei in den Club zu kommen. Das ist lecker, aber nicht sättigend. Aus dem Mythos 54, diesem ewigen Menschentraum von einer Nische ohne Grenzen und Regeln, hätte sich mehr machen lassen.

Ganz dicke kam es mit "Beautiful Girls" (1996, von Ted Demme mit Uma Thurman, Natalie Portman, Matt Dillon und Timothy Hutton). Im Trailer hatte der Film sich noch als eine Art US-amerikanischer Variante von Bridget Jones getarnt. Dass also auch dieser Film den Bechdel-Test nicht bestehen würde, war klar. Dass er tatsächlich noch einige Stufen seichter als "Schokolade zum Frühstück" sein würde, stellte sich schnell heraus. Einziger Lichtblick in diesem Kindergarten: Natalie Portman und (bedingt) Uma Thurman.

Es gab, glaube ich, keine einzige Szene, die mir ein müdes Lächeln entlockt hätte. Falls das eine ironisch-augenzwinkernde Beziehungskomödie sein soll, so fehlt es schlicht an Ironie, Augenzwinkern und Beziehungen. Die Erwachsenen (Altersgruppe: Mitte/Ende Zwanzig) in diesem Film benehmen sich so unreflektiert und kindisch, dass die Figur der dreizehnjährigen Natalie Portman alle doppelt überragt und mir wohl als einzige in guter Erinnerung bleiben wird. Kaum zu ertragen ist die müffelnde Mischung aus verkrampfter Pseudofrivolität und prüder Moralkeule, wie sie typisch ist für US-amerikanische Komödien. Einmal mehr sind Fremdgeher charakterschwach und/oder fies (und natürlich, man ahnte es, dunkelhaarig!) und am Ende erhalten sie ihre gerechte Strafe, während alle, die den Versuchungen brav widerstehen, irgendwie vage geläutert aus dem Filmchen hervorzugehen scheinen. Vom dargebotenen Frauen- und Männerbild möchte ich jetzt einfach nur schweigen.

Mein Fazit: Wäre ich doch besser zum Super-8-Filmabend auf der Breminale gegangen...

Kommentare:

  1. "Bridget Jones" war schon recht seicht, soweit ich das jetzt aus der Ferne beurteilen kann. Und gute Komödien sind heutzutage sowieso Mangelware. Jetzt würde ich hier gerne ein paar herausragende nennen, aber da wollen mir partout keine einfallen - ist ja schon spät, nicht?

    Die "Fortsetzung" von Bridget Jones war glaub ich noch dümmer und seichter. Aber ich hab den Film nur Häppchenweise konsumiert. Gut möglich, dass ich die besten Momente verpasst habe. Who knows?

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  2. Herausraugende Filmkomödien? Auf meiner Liste ganz vorn mit dabei wäre Wanda, der Fisch und Love Actually. Die Briten können das einfach. Heinz Ehrhard war natürlich auch herausragend. Bei den aktuelleren deutschen müsste ich überlegen...

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