Freitag, 10. Juni 2011

Von Wortschöpfungen und Weltschöpfungen

Die Schöpfungshöhe ist in diesem Fall ungefähr so groß wie der Haufen Katzenkotze, mit dem mich unser Kater gestern beschenkte. Aber es stimmt, die Wortschöpfung "Pronunquamatio" stammt offenbar von mir. Zumindest fand ich sie bisher nirgendwo im Netz. Lateiner werden womöglich in Sekundenbruchteilen feststellen, dass die Konstruktion fehlerhaft ist, aber ich hatte niemals Latein. Ich habe lediglich in der bekannten Pro-kras-tination die Silbe "cras", die lt. Wikipedia für "Morgen" steht, durch "nunquam", was anscheinend "niemals" bedeutet, ersetzt. That's it, folks. Kreativer wird es hier nicht. Dafür reichten sieben Googlesekunden. Prophylaktisch melde ich trotz dieses geringen Arbeitsaufwands jetzt schon alle bekannten Patent- und Urheberrechte für die nächsten zweihundert Jahre an. Man weiß ja nie. Prokrastination ist weit verbreitet und so ist es nur ein kleiner Schritt zu der Erkenntnis, dass sich manche Vorhaben durch ausdauerndes Verschieben irgendwann vollends erledigt haben können. Die Teilnahme an Schreib- und Literaturwettbewerben zum Beispiel, die sich gern an junge, bereits veröffentlichte Autoren unter 30, 35 oder 40 wenden. Ich wollte das immer schon mal öffentlich sagen: Fuck you very much.

Ein ähnliches Wortdilemma habe ich mit Weltenschöpfungen der utopisch-dystopischen Art. An so einer versuche ich mich selbst, daher lese ich diejenigen von Leuten, die bereits veröffentlicht sind und mache mir haufenweise Notizen dazu. Das Ergebnis ist eine schnörkellos hermaphrodite Mischung aus Rezension und Romananalyse, eine Art Rezilyse (gesprochen: Rezi-lüse) für den persönlichen Hausgebrauch. Mit Pat Cadigans Bewusstseinsspielen habe ich es schon getan und obwohl ich mit Form und Inhalt noch nicht vollauf zufrieden bin, werde ich als nächstes meine rezilytischen Fähigkeiten an "Herland" von Charlotte Perkins Gilman erproben. Das ist ein utopischer Roman aus dem Jahr 1915, den ich vor einigen Monaten ausgelesen und ganz wunderbar gefunden habe. Derzeit sichte ich meine damaligen Notizen und widerstehe der Versuchung, den ganzen Roman gleich nochmal zu lesen. Wie man sehen kann, war die Katze von dem Buch auch sehr angetan. Ob sie gerochen hat, dass da #catcontent drin ist?

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