Donnerstag, 24. November 2011

Vom Umgang mit Arschlöchern

Foto: "Butt!" by ilmungo /flickr
Kennt ihr das, wenn ihr schon dazu getwittert habt, aber das Thema beschäftigt euch weiter? Ging mir so, nachdem ich neulich diesen Tweet absetzte:
Pflicht: Leute mies behandeln, die nix für uns tun können. Kür: selbst die Arschlöcher erlesen behandeln, wenn sie viel für uns tun können.
Ist natürlich ein missglückter Ironieversuch. Danke für die Beileidsbekundungen, ich arbeite daran. Nun aber zum Inhalt. Dass man den Charakter eines Menschen daran ermessen kann, wie er mit Menschen umgeht, die nichts für ihn tun können, hat sich herumgesprochen. Aber andersherum? Was, wenn andere eine ganze Menge für uns tun könnten, aber Arschlöcher sind? Denken wir uns einen Vorgesetzten, den wir absolut nicht verknusen können, aber er könnte uns beim Aufstieg innerhalb der Firma einige Steigbügel hinhexen. Oder denken wir uns einen total fiktiven Fallberater bei einer total fiktiven Agentur für Arbeit, dessen Überheblichkeit uns die Faust im Hoodie ballen lässt, aber er hat die Macht unseren Antrag durchzuwinken, oder eben nicht. Als letztes Beispiel, immer wieder gern genommen, der politische Gegner auf der von uns aus gesehen dunklen Seite der Parteienlagerlinie (oder schlimmer noch: im eigenen Lager!), mit dem zusammen wir ein wichtiges Gesetz durchbringen könnten, aber uns schwillt leider schon der Kamm, wenn er nur im gleichen Raum ist, weil wir sein Welt- und Menschenbild partout nicht teilen.

Wie umgehen mit jenen, die man nicht leiden kann, die aber wichtig für eigene Ziele sind? Integer wäre, sie wie die Arschlöcher zu behandeln, für die man sie hält. Nur nichts von ihnen annehmen, alles andere wäre Selbstbetrug. Nein danke, nicht von dir, nicht mir dir, nicht zu diesem Preis.

Aber jeder ist mal ein Arschloch für irgendwen. Auch wir selbst.

Leider kann man mit dem Erreichen eigener Ziele auch nicht immer warten, bis nur sympathische Gleichgesinnte um einen sind. Also doch im Sinne der Sache zu Arschlöchern freundlich sein? Auch auf die Gefahr, dass man für korrupt gehalten wird? Verkauft man damit automatisch seine Ideale oder seine Seele?

Ich habe keine Antwort. In jedem Einzelfall ringe ich wieder und wieder mit mir, was nun richtig wäre. Aber eins habe ich begriffen: auch Arschlöcher können freundlich und kooperativ werden, wenn man dem Impuls widersteht, sie wie Arschlöcher zu behandeln. Oder habt ihr noch nie einer genervten Kassiererin ein Lächeln geschenkt, statt ihr Meckern zu erwidern? 

Auch wenn es uns stinkt: Manchmal stehen wir auf den Schultern von Riesen, die Arschlöcher sind.

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