Je anspruchsvoller die Grundidee zu einem Film, desto flacher die Geschichte. Und je lauer die Geschichte, desto durchgestylter der Style. Galt diese Regel eigentlich immer schon, oder erst für den zeitgenössischen Film, oder nur für Hollywood-Streifen, oder nur für das Genre Science Fiction? Es nervt jedenfalls ungemein. Im Grunde hat Genevieve Valentine in ihrem hervorragenden und äußerst unterhaltsamen engl. Review 10 Things You Should Know About "In Time" auch schon alles gesagt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Auch sie kann sich kaum vorstellen, dass ein Regisseur wie Andrew Niccol am Ende dieses Projekts die Hände gerieben, "Fertig, gute Arbeit!" gerufen und mit einem Gefühl von kreativer Zufriedenheit nach Hause gegangen ist.
Man muss schon große Angst vor einem finanziellen Desaster oder dem bräsigen Durchschnitts-Kinogänger haben, um einen so dermaßen ausgelutschten Poor-Guy-Rich-Girl-Plot mit einer so unsäglich uninspirierten Heist-Entführungs-Story zu verfeinern. Der Film ist storyseitig völlig frei von ambitionierten Ideen. Wer seinen eingebauten Klischeealarm nicht in den ersten Minuten deaktiviert, um sich apathisch-sabbernd dem visuellen Spektakel hingeben zu können, der wird an dem Film gar keine Freude haben. Ich habe schon Pixie-Hefte gelesen, deren Geschichten spannendere und mutigere Wendungen zu bieten hatten, als "In Time". Wir bewegen uns hier auf Rosamunde Pilcher Niveau und kein Jota darüber.
Und falls das alles noch nicht reicht, um enttäuscht zu sein, kommen noch elefantöse Flaws dazu (die Genevieve Valentine auch alle fein säuberlich zerfetzt). Dass der Film den Bechdel-Test nicht besteht und überhaupt ein Schlag ins Gesicht aller weiblichen Wesen auf diesem Planeten ist - geschenkt. Was hätte man aus dieser Gänsehaut verursachenden Grundidee nicht alles machen können, wenn sich ein ambitionierter und mutiger Indy-Drehbuchautor daran gesetzt hätte?
Merkt man, dass ich enttäuscht bin? Gut. An dieser Stelle daher eine Liste der
10 Aktivitäten, die der geistigen Entwicklung dienlicher und unterhaltsamer sind, als "In Time":
- bei Regen laufen gehen
- den Hashtags #bpt112 oder #ows auf Twitter folgen
- Nichtstun
- Anti-Guttenberg-Tiraden in die Interwebz blasen
- auf fyvm herumstöbern
- Mama anrufen
- über das neue Youtube-Design lästern
- richtige SciFi-Bücher lesen, z.B. von Lem, LeGuin oder Asimov
- Konto auf joindiaspora.org anlegen
- erwähnte ich Nichtstun?
Trailer (English)
Trailer (Deutsch)
Tipp 1: 10 Things You Should Know About "In Time" - engl. Review von Genevieve Valentine [3. November 2011]
Tipp 2: In Time - engl. Review von Roger Ebert [26. Oktober 2011]
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